Übersichtskarte

Kia Ora !

Mittwoch, 05.02.2014
 Der 28. Januar war ein unfassbar schöner Tag, wenn "schön" auch nicht im eigentlichen Wetter-Sinne, denn es hat geregnet. Von morgens bis abens. Julia und ich waren in Roturua, ein Ort, den man sofort mit geschlossenen Augen erkennt. Man braucht nur ein-, zweimal tief einatmen, dann weiß man wo man sich befindet. Unter unseren Füßen ist mächtig viel los, es brodelt und blubbert und hier und da bricht eine Dampffontäne aus dem Blasen schlagenden, matschigen Boden. Faszinierend anzusehen, dennoch sollte man sich zweimal überlegen ob man dem Dampf zu nahe treten sollte- er riecht wie eine Mischung aus faulen Eiern und Wiener Würstchen. Man mag sich kaum vorstellen, dass es Leute gibt, die ihr Haus direkt neben so einen Schwefelteich stellen, aber es sind nicht mal wenige. Selbst zu Wellnesszwecken wird der graue Schlamm genutzt, so man es sich denn leisten kann, in dem berühmten "Hells Gate" Spa eine der schmutzigen Beauty Packungen verpasst zu kriegen. Wir verzichteten wohlweislich und investierten den Regentag lieber in eine ausgedehnte Wanderung durch den einzigartig spektakulären Redwood Forest, ein Wald mit Exemplaren, die selbst Mammutbäume erblassen lassen. Das Holz ist tatsächlich rot und dazu noch haarig, die Bäume einfach gigantisch. Einige von ihnen ähneln heimischen Fichten mt dem Unterschied, dass man die Krone nicht sehen kann. Mutmaßlich ein Zehntel könnte ich mit ausgestreckten Armen bedecken. Nagut, ich übertreibe, aber die Bäume sind wirklich groß. Und nach stundenlangem Aufwärtsgerenne konnten wir uns Roturua und Ti Puia endlich von oben besehen. Es sieht aus wie eine mondoberflächenähnliche Vulkanlandschaft aus grauer Vorzeit, auf die irgendein beklopptes Kind seine Spielzeighäuser und Straßen gebaut hat. Der Regen nervt und zu Hause angekommen sind wir völlig fertig und brauchen erst ma zwei Stunden Nichtstun. Danach gehts auf ins Maori Village, wo wir die faszinierende und freundliche Kultur der neuseeländischen Ureinwohner kennenlernen. Nach einer stimmungsvollen Bushinfahrt, auf der wir unseren "Anführer" wählen (ein 21 Engländer, der laut eigenen Angaben sowohl Rugby als auch Cricket spielen kann), wohnen wir der bemerkenswerten Willkommenszeremonie der Maori bei. Es sei sehr wichtig, nicht zu lachen, so wurde uns erklärt, da dies eine Beleidigung der Krieger wäre. Die Warnung ist nicht ganz unangebracht, denn wenn man zum ersten Mal die Mimik der Krieger beobachtet, könnte man meinen, sie schneiden Grimassen. Die Augen weit aufgerissen und die Zunge rausgestreckt geben sie eindrucksvolle Laute von sich. Der wirklich strömende Regen scheint dabei niemanden zu stören und seltsamerweise friert auch niemand. Mit dem Ernst ist es nach der Einführung dann schnell auch wieder vorbei. Wir dürfen den Maori bei ihren traditionellen Arbeiten zusehen, wie dem Schmieden von Waffen oder dem Abhalten uralter Kampfzeremonien. Es gibt Poitänze, Kriegstänze und Dia Vorträge. Am Spannensten finde ich persönlich die Maori Tattoos, die untrennbar mit ihrer Kultur verwoben ist. Als Zeichen von erbrachter Leistung wurde den Kriegern spezielle, tribalähnliche Verzierungen ins Gesicht tätowiert- manuell, mit Nagel (!) und pflanzlichen Farben. Offenbar hackte man damit wortwörtlich in die Haut des glücklichen zu Tätowierenden und ließ die Wunde dann einige Zeit abheilen bevor man sie erneut aufritzte, um neue Farbe einzusetzen. Aua.
Der Abend endete bei einem fröhlichen Festbankett, bei eigens über dem Bodendampf gedünsteten Kartoffeln und dem leckersten "Steampudding", den ich je gegessen habe ;) Wir sangen die ganze Rückfahrt durch.

Im Allgemeinen ist der Umgang der Neuseeländer mit ihren Ureinwohnern bemerkenswert. Anstatt als Randerscheinungen der Gesellschaft dahinzuvegetieren, scheinen sie hier hoch geachtet zu sein. Fast jeder zweite Neuseeländer spricht Maori, die meisten Texte stehen nochmals übersetzt da und es ist durchaus nicht üblich sich mit "Kia Ora!" zu begrüßen. Bei einem Theaterstück in Wellington fiel mir besonders die Selbstverständlichkeit  auf, mit der ihre Kultur in den Alltag der Figuren integriert wurde. Es wirkte fast so natürlich wie die Witze über Australier ;-) Genau kenne ich mich narürlich auch nicht aus, aber es scheint tatsächlich eine friedliche Koexistenz der beiden Völker zu geben, in der gegenseitiger Respekt völlig natürlich ist- na bitte, es geht doch ! Herdplatte Tanz BEgrüßung

Mittelerde

Montag, 20.01.2014

Wie konnte ich nur so DUMM sein ? Wieso bin ich nach Australien gegangen ?! Nachdem sich auch in Adelaide keine neuen Jobchancen oder Reisepartner ergeben haben, entschied ich spontan, nach Neuseeland zu fliegen, nur um festzustellen, dass ich gerade DAS SCHÖNSTE LAND DER WELT entdecke. (Die Großbuchstaben unterstreichen meine Euphorie.) Im Ernst, Neuseeland ist einfach der absolute Wahnsinn. Am liebsten würde ich einfach nur im Bus sitzen und fahren und fahren und fahren.. Ich kann einfach nicht genug bekommen, von den endlosen, waldbedeckten Hügeln, den unendlich vielen verschiedenen Grüntönen, den geheimnisvollen Inseln, die überall in dem wilden Meer verteilt liegen..Es ist meditativ, magisch, ungezähmt, entspannend, aufwühlend.. einfach alles. Schon der Flug mit New Zealand Air war ausgesprochen angenehem, wohl zum ersten Mal in meinem Leben habe ich bei dem Sicherheitsvideo tatsächlich aufgepasst .. (Unbedingt anschauen: http://www.youtube.com/watch?v=cBlRbrB_Gnc). In Auckland angekommen, traf ich erstmal meine alte Woofingische Julia wieder, wir hatten uns eine Menge zu erzählen. Die Stadt an sich war jetzt nicht so berauschend, sie hatte viel von einer gewöhnlichen australischen Großstadt. Schon am nächsten Morgen fuhren wir mit der Fähre nach Waihiki Island und spätestens ab da war es um mich geschehen.. Die ganze Insel machte einfach den Eindruck, als würde jeden Augenblick ein verirrter Ork hinter dem Felsen hervorschauen. Diese unfassbare Landschaft kann einfach auf keinem Foto richtig eingefangen werden, es wirkt alles total unrealistisch, unwirklich.. wie eine wunderschöne Illusion. Der Reiseführer versprach Wunder wie Waihiki überall in Neuseeland, da stellt sich natürlich die Frage: Wo anfangen ? Da wir sowieso das Gefühl hatten, mitten in Mittelerde gelandet zu sein, fuhren wir am nächsten Tag ins Auenland- nach Hobbingen. Es boten sich uns Anblicke, die jeden echten Herr der Ringe Fan zu Tränen rühren, einfach nur aufgrund des Gefühls "Hier, genau hier, ist es passiert". Der einzige Nachteil war bloß, dass man sich das Dorf nicht unabhängig anschauen darf, das Ganze funktioniert nur im Rahmen einer geführten, 1,5 stündigen Tour, die nicht nur maßlos überfüllt und ziemlich teuer sondern auch extrem hektisch war. Mehr als einmal verloren wir unseren Guide und die Gruppe und liefen planlos zwischen winzigen Gartenmöbeln, Gemüsegärten und kleinen Ponys herum. Die Höhlen an sich waren von außen superniedlich anzusehen, die charakteristischen runden Türen unterschiedlich groß (wohl um Frodo sehr klein, aber Gandalf sehr groß aussehen zu lassen) und von innen.. naja... sagen wir.. übersichtlich. Im Prinzip öffnet man eine Tür und schaut direkt auf die Rückwand, die übersäht ist mit - wer errät es?- Regenschirmen!

Der krönende Abschluss stellte ein Besuch im "grünen Drachen" dar, komplett mit wahlweise Cider, Bier, Apfelschorle oder "Hobbitwasser". Eigentlich doch ganz schön cool. Erinnert mich nur daran, nächstes Jahr ein Kostüm einzupacken und -Tour hin oder her- meine Lieblingsszene nachzuspielen.

Den nächsten Tag fuhren wir dann eine atemberaubende Busfahrt in den Norden, nach Bay of Islands. Die umwerfende Schönheit dieses Ortes erfässt man eigentlich nur auf einem Luftbild. Matthias beschrieb es als "Fantasylandschaft aus einem Computerspiel". Möglicherweise muss hier also tatsächlich ein Googel Bild herhalten. Am zweiten Tag fuhren wir nach Russel, der ältesten Stadt Neuseelands und besuchten eine Menge alter Dinge: Die älteste Kirche, die älteste Tankstelle und das älteste Haus.. Auch hier waren wir wirklich überwältigt, es ist schwer, all diese Dinge mit Worten zu beschreiben, ich wünschte mir einfach, ihr wärt hier und würdet es mit eigenen Augen sehen. Neuseeland ist einfach mein neuernanntes Paradies und ich kann jeden verstehen, der sein Leben in Deutschland aufgibt und herkommt, obwohl es wortwörlich am A*** der Welt liegt und die Leute allein für ein Konzert nach Australien fliegen müssen.

Heute regnet es, nicht nur das, wir sind angehalten das Hostel nicht zu verlassen, da anscheinend ein Zyklon von den Fidschis her aufzieht... Wahrscheinlich wieder viel Gerede um nichts, aber trotzdem werde ich wohl hierbleiben und das "Party Hostel" mal auschecken. Vielleicht versuche ich mich mal an der Kunst, einen Nichtdeutschen kennenzulernen..

Morgen gehts nach Hot Water Beach und anschließend.. ? Steht noch in den Sternen, genießt die Zeit !

Roadtrip Nr. 2+3 oder TASMANIEN

Samstag, 11.01.2014
.. Nein liebe Freunde, überraschenderweise wurde ich trotz meiner Tapsigkeit gepaart mit unvorsichtiger Spontanität nicht von einer Schlange gebissen und somit die letzten Wochen außer Gefecht gesetzt. Die einfache und zugleich schockierende Wahrheit ist: Ich hatte einfach zu viel Spaß um auch nur daran zu denken das Laptop in die Hand zu nehmen. Tasmanien war unfassbar, atemberaubend, wunderschön, wild und entspannend. Wie in einer nördliche Version von Australien stolperten wir über raue Küsten, aufgewühlte See, ruppige und zugleich herzliche Einheimische und einsame Strände. Leider blieb uns das Glück, einen tasmanischen Teufel in freier Wildbahn zu erspähen verwehrt, obwohl diese schon bald die Kängurus auf den gelben Schildern ablösten. Einmal kamen wir durch eine wahre Geisterstadt, ein Ort, an dem kein Hund gerne begraben wäre. Völlig isoliert zwischen Gebirsketten eingebettet lag sie, eine alte Minenstadt, in der die verzweifelte Dorfjugend die letzten Reste ihrer Rebellion mit Rundfahrten in ihrem schlecht gepimpten Toyota zum Ausdruck brachte. Befremdet betraten wir eine kleine Imbissbude um unser Mittagessen zu holen, waren aber heilfroh als wir diesen Ort mit dem klangvollen Namen "Queenstown" wieder verlassen konnten.


Wir fuhren und fuhren. Die gesamte Insel umrundeten wir, meist entlang der Küste. Die Caravan Parks lagen größtenteils direkt am Strand, sodass wir quasi aus dem Bett direkt ins Meer hüpfen konnten. In irgendeinem Ort dessen Namen ich vergessen habe, versuchten wir uns an Landart und kreirten aus Seetang, Steinen, Sand und Muscheln eine übergewichtige, rauchende Meerjungrfrau mit Marge-Frisur. Beim berühmten "Wineglass Bay", absolvierten wir einen Fünfstündigen Bushwalk und hatten eine atemberaubende Sicht auf die halbrunde Bucht.


Weihnachten verbrachten wir im Huon Bush Retreats, einem kleinen Appartment mitten im- tataa- Busch. Bestückt mit einer gigantischen Dusche, einem Kaminofen und einer Draußenbadewanne bietete es uns den perfekten Rückzugsort vor schwitzenden Weihnachtsmännern bei 38 ° im Schatten, Kassierern mit Rentierohren und dem hysterischen Jamie Oliver beim X-Mas BBQ. Das Wasser aus dem Hahn hatte zwar eine.. wie es der Huon Retreat Guide ausdrückte, leichte "tea colour", trotzdem hat Baden unter Sternenhimmel, während Wallabees zu Besuch kommen schon auch seinen Reiz.
 
Alles in allem war es das wohl abgefahrenste Weihnachten dass ich je erlebt hatte (zwar verabscheue ich dämliche Wortspiele, dennoch drängt sich der Begriff "Wein-achten" hier mit Recht auf, denn das mussten wir lernen als derselbe zu Neige ging ;). Zumindest erlebte ich einen absoluten realitätsverwirrenden Tag, an dem das in Stein gemeißelte Bild der Familie, die harmonisch den immer gleich und seit Jahren heiß geliebten Ablauf folgt, nicht nur ins Wanken geriet sondern gänzlich eingerissen wurde. Matthias sah endlich mal eine Schlange, womit die liebe Klischeeseele Ruh hatte und ich bewies mal wieder mein unfassbares Backtalent mit Keksen, die wie üblich die Form von Kopfsteinpflastersteinen innehatten und dabei so süß waren, dass das Blut beim ersten Bissen zu einer dickflüssigen Paste mutierte.


 
 
Nachdem wir Tasmanien schweren Herzens verlassen hatten, beide in der Überzeugung, dass die sieben Wochen in Gänze dort am Besten aufgehoben gewesen wären, und schwer bepackt am Flughafen standen, tröpfelte langsam und zähflüssig in unser Bewusstsein, dass wir eine winzige, nicht ganz unwichtige Kleinigkeit vergessen hatten: Die Unterkunft. Und das zur Hauptsaison. Es folgten lange, harte Stunden, angefangen von einer ewigen verzweifelten Internetrecherche über endloses Laufen durch die altbekannten Straßen bis wir schließlich um 3 Uhr morgens in einem kleinen, schäbigen Hostel zwei freie Betten ergattern konnten. Völlig fertig torkelten wir ins stockdunkle Zimmer und nach einigem Hin- und Her identifizierten wir das Etwas in der Mitte des Raums als Bett und ließen uns zu zweit hineinfallen. Doch die Ruhe -bzw. die Abwesenheit von Aktivität, begleitet durch sinfonisches Schnarchen der Nachbarn- währte nicht lange. Nach etwa einer halben Stunde flog urplötzlich die Tür auf und 2-3 lauthalls lallende Jugendliche hielten Einzug. Wie immer wenn jemand in mein Zimmer kommt und ich noch im Bett liege, kniff ich die Augen zu und gab vor zu schlafen. "Woah !" dröhnte es da plötzlich in mein Ohr "There's someone laying in my bed!", gefolgt von gackerendem Gelächter. Auch das noch.Gequält tauschten wir ein paar absichtlich schlecht gestammelte Brocken Englisch aus, bis uns der Typ erlaubte, in seinem Bett liegen zu bleiben und fielen in einen unruhigen Schlaf.
 
Die nächsten zwei Nächte verliefen kaum weniger spektakulär. Im nächsten Hostel trafen wir auf eine Gruppe ziemlich cooler Menschen, mit denen wir zwei verrückte Nächte zu Tagen machten. Bedingt durch unsere Unfähigkeit unser neues Mietauto rechtzeitig abzuholen, blieben wir dort noch eine Nacht länger. Unsere Gruppe war endlich mal etwas gemischter, bestand sie aus zwei Iren (obwohl einer von ihnen behauptete keiner zu sein), drei Engländern, einer mit supercoolen Sleeves, der andere mit einer schlecht gestochenen zeitunglesenden Katze auf dem Hintern (einer der Anblicke, die ich mir gerne erspart hätte), einem Esten mit dem Matthias auf der Stelle innige Freundschaft schloss, zwei Italienern, einem Spanier und -wie könnte es anders sein- 3 Deutschen, wobei diese sich konsequent weigerten, Deutsch zu reden. Nur diesen plumpen Akzent hätte ich überall rausgehört. Wir hatten wirklich Spaß und zum ersten Mal wurde mir die Genialität einer zweiten, einheitlichen Sprache bewusst. Es ist wie ein magischer Schlüssel, der dir die Tür zu den Eigenarten anderer Nationen öffnet.
 
Nichtsdestotrotz schafften wir es am nächsten Tag endlich unser Auto- einen normalen Mitsubishi- abzuholen und damit ohne Umschweife auf die Great Ocean Road zu düsen. Von diesem Trip gibt es ehrlich gesagt am wenigsten zu erzählen (im Nachhinein denke ich, dass wir nur einen winzigen Bruchteil gesehen haben). Viele Stunden fuhren wir abwechselnd, besuchten die 12 Apostel, fanden heraus dass es nur sieben sind, und machten an den hübschen Orten zwischendurch Halt. Silvester verbrachten wir in einem Ort namens Beachport, welches sich aber als absoluter Reinfall herausstellte. Kurz gesagt, ich verpasste das "Feuerwerk" weil ich buchstäblich in einer Bar eingesperrt war und die Aftershowparty war um halb eins zuende. Die Erzählungen der anderen über das großartige Spektakel in Sydney machen mich zwar nicht glücklicher, andererseits war ich nicht alleine und darauf kam es mir an.


Doch die Zeit, dieses miese kleine Biest, kannte nicht das geringste Erbarmen und rannte erbarmungslos davon. Bevor ich zweimal geblinzelt hatte, war er verschwunden. Jetzt sitze ich seit ein paar Tagen in Adelaide und alles beginnt von vorne

Roadtrip Nr.1

Dienstag, 10.12.2013

...leitete uns also nun von Katoomba über Cessnock nach Newcastle (wo wir es ca. 1,5 Stunden aushielten bevor wir das Weite suchten), von dort über Sydneys Feierabendverkehr wieder gezwungenermaßen nach Wollongong. Dort merkte ich zum ersten Mal, dass etwas nicht stimmte. Ich bekam unbestimmte starke Bauchschmerzen, Gelenkschmerzen und die obligatorischen Rücken- und Kopfschmerzen. Zusätzlich war ich so schwach, dass ich nicht mal aufrecht sitzen konnte- geschweige denn fahren-  und wir somit keine andere Wahl hatten als andauernd zu halten und somit zu einem unangenehmen Endspurt gewungen waren. Auch unsere Besichtigung der einzelnen Orte hielt sich in Grenzen, da mein superfürsorlicher Freund alle Hände voll zu tun hatte, mir auf geradezu militante Art und Weise literweise Ingwer-Zitronentee einzuprügeln. Zu den schon erwähnten Beschweren gesellten sich noch Schwindelanfälle, Fieber und Schüttelfrost, sowie Stechen in den Nieren. Wobei man fairerweise sagen muss, dass diese sich ab und an abwechselten. Jedenfalls bestand mein Tagesplan aus 16 Stunden Schlaf, vier Stunden unfreundlich sein und vier Stunden unmotiviert die Biographie von Guns n' Roses lesen. Matthias war einfach großartig in dieser Zeit. Er blieb die ganze Zeit bei mir und wenn ich schlief spielte er mir auf seinem in Katoomba intuitiv gekauften Bass Liebeslieder. Ich bin so dankbar und glücklich dass ich ihn an meiner Seite habe. 

Ab South Durras mussten wir uns jetzt wirklich sputen, da wir zwischendurch überall gehalten haben wo es uns gefallen hat. Da es mir wieder besser ging, setzte ich mich mutig ans Steuer und nahm mir fest vor, die gesamte Alpine Road runterzudüsen. 270 km auf einer wenig befahrenen Straße sind für normale Menschen eigentlich zu schaffen, aber nicht für mich. Ich bin ein zitterndes Nervenbündel am Steuer, vor Allem in Australien. Jede nicht vollkomme Vorhersehbarkeit treibt mich zu Schweißausbrüchen und Panikattacken. Dazu kommt noch das Problem, dass man als Rechtsverkehr gewohnter Mensch leicht dazu neigt, zu weit nach links zu driften und das aufgrund der Abgründe am Straßenrand oft nicht ganz ungefährlich ist. Und schlussendlich wären da noch die häufig passierenden Tiere (hauptsächlich Kängurus, Wombats und *hihi ätschbätsch* Rinder) und die absolut lächerlich hohen Strafen für jegliches noch so kleine Fehlverhalten, wie bspw. 500 $ für Falschparken und 1,500 $ und Führerscheinverlust für 15 km/h zu schnell sein. Null Toleranz. Entsprechend panisch reagierte ich, als wir quasi mit Passieren der Victoria Grenze zwei Polizeiautos vor uns auftauchen sahen die uns anhalten wollten. Verdammt. Wo war nochmal die Bremse ? Wo die Kupplung ? Einfach alles auf einmal runtertreten ? Eine Millisekunde dachte ich tatsächlich ich würde den Mann in der Neonjacke umsäbeln, legte aber im letzten Moment noch eine Vollbremsung hin, die unser sämtliches Hab und Gut zu Boden segeln ließ. Matthias lachte unterdrückt und auch der Polizist konnte sich seinen Spott nicht verkneifen. Es war eine Routinealkoholkontrolle, alles harmlos. Trotzdem peinlich. 

Nach langem Gefahre und Gekurve sind wir nun in Melbourne angekommen, sogar etwas vor der Zeit. Die Höllentortur der Melbourner Innenstadt, mit seinen zehnspurigen Kreisverkehren und aggressiven Großstädtern, habe ich dann wieder meinem Freund überlassen. Insgesamt haben wir 2,5 Stunden gebraucht um unseren Campground zu finden. Aber egal, bald gehts auf nach Tasmanien und darauf freuen wir uns beide schon wie verrückt! 

Später mehr, 

 

Julia 

Hunter Valley

Donnerstag, 05.12.2013

Als würde es uns jeden Tag aufs Neue daran erinnern wollen, dass es immer doch draußen vor dem Fenster ist, weckt uns Australien seit Tagen mit brütender Hitze, die sich in unserem engen Schlafdomizil exponentiell verstärkt und mich Nacht für Nacht von brennenden Häusern oder der Vorhölle träumen lässt (vielleicht war "Stollbergs Inferno" doch nicht die richtige Lektüre für diesen Urlaub..) Seit drei Nächten sind wir nun im Hunter Valley und es ist einfach nur fantastisch hier. Die erste Nacht wurde notgedrungen auf einem Parkplatz gegenüber einer ranzigen Country Kneipe verbracht, wo wir auch unser Abendessen in Form von zwei Chipstüten und einer Packung Erdnüsse zu uns nahmen, die zweite Nacht dann auf einem Campground und die dritte wieder irgendwo im Nirgendwo. Die Tage tröpfeln dahin und sind geprägt von lange Ausschlafen, Autotouren durch die bezaubernde Landschaft und endlosen Gesprächen mit weinbegeisterten Australiern über Reinheitsgebote, Rebsorten und Geschmacksnoten. Da sich meine bessere Hälfte noch besser aufs Vergessen, Verpeilen und Verschlafen versteht als ich, verfahren wir uns andauernd und landen an den seltsamsten Orten, da die "normalen" Weingüter schon um 17 Uhr zumachen. (Wer hat sich das eigentlich ausgedacht ?!) Besonders zwei von den insgesamt 140 Weingütern haben es uns angetan- wobei natürlich ausdrücklich angemerkt sei, dass wir nicht alle durchprobiert haben: Constable Estate und Audrey Wilkinson. Während ersteres hauptsächlich durch das Logo einer bunten schweizerischen Kuh und dem Namen "Matilda" im Gedächtnis blieb, bestaunten wir beim zweiten besonders die abnormale Größe des Anwesens, das zudem das älteste im ganzen Hunter Valley ist. Der Gründer Audrey Wilkinson, soll von seinem fünfzehnten Geburtstag an bis hin zu seinem Tode (über 70 Jahre) auf diesem Weingut gearbeitet haben.

Eine andere Sache für die das Hunter Valley berühmt ist, sind die kulinarischen Spezialitäten, insbesondere Oliven, Käse und Schokolade. Schokolade heißt in unserem Fall Macadamia Krokant, Nuss-Nougat Toffee, vegane Erdbeerstangen und noch einiges mehr. MJAM :) Heute wird zudem das in sämtlichen Reiseführern als "Top Choice" angegebene Margan Modern Australia Restaurant ausprobiert, die sämtliche Zutaten in ihrem eigenen kleinen Küchengarten anpflanzen. Meistens kochen wir aber doch selber, beziehungsweise kocht Matthias und ich arbeite an meiner Bräune oder lass anderweitig die Seele baumeln ;)



Entspannte Grüße,


Julia

Wollongong und Katoomba

Samstag, 30.11.2013

Tempus fugit.. Stimmt genau, denn schon wieder sind 1,5 Wochen vorbeigezischt in denen Einiges passiert ist. Verloren in den wirren Verführungen der Großstadt, haben wir fast die gesamte Zeit in Sydney verbracht, waren in Clubs mit groben Steinwänden und vierzig verschiedenen Tequilasorten auf der Karte, sind durch die verwinkelten Gassen von Kings Cross gestreift und haben Restaurants besucht in denen wir die einzigen Europäer waren,  sind stundenlang am Hafen langspaziert. Im Opera House haben wir unsere Englischkenntnisse überschätzt und sind in ein Shakespeare Stück spaziert, im Featherdale Wildlife Park haben wir Arschlochtouristen gespielt und mit den Kängurus und Koalas mit Zivilsiationsschaden gekuschelt und die Kunstgalerien der Stadt durchstreift. In einem Zustand geistiger Umnachtung sind wir spontan nach Wollongong gefahren. Ich weiß selber nicht was uns zu dieser Dummheit getrieben hat, wahrscheinlich war es das sanfte Blau der Website oder der kreative Werbespruch ("What's on in the Gong?"). Als ehemalige Mienenort hat er ungefähr den Charme von Gelsenkirchen und die erwarteten blauen Strandhütten entpuppten sich als graue Plattenbauten und die fröhlichen Fahrradfahrer als eingefallenen Gestalten, die sich hektisch umsehen während sie ihr kleines Tütchen mit weißen Kristallen einstecken. Die erste Nacht haben wir in einem schäbigen Motel am Bahnhof verbracht, nachdem wir mit insgesamt 45 Kilo ca. 8 Stunden durch die Stadt gerannt sind um ein Hostel zu finden. Es war.. gruselig. Nachts sind wir ein paarmal von dem lauten Streit zweier Typen aufgewacht, es ging irgendwie um Geld oder so. Drei Tage waren wir insgesamt dort, die insgesamt dann doch wieder nicht so schlecht waren, denn der Strand, ein gutes Restaurant und australischer Rotwein können auch aus dem furchtbarsten Ort in ein Paradies verwandeln.


Am 27. November konnten wir dann endlich unser Auto abholen. Nach unserer Flucht aus Wollongong trennte uns nur noch eine Nacht von unserem ultrageilen Hippiecamper. Das dafür auserkorene Hostel sollte einen würdigen Abschluss des Schlafens in Häusern darstellen, denn es liegt auf der Scotland Island, mitten in einem Nationalpark umgeben von dem blauesten Wasser dass ich in meinem ganzen Leben gesehen hatte. Unzählige Segelboote dümpeln in den Anlagestellen der feudalen Villen am Ufer vor sich hin und dennoch muss man nur ein paar Schritte gehen um der Zivilisation fast vollständig zu entkommen. Es war einfach herrlich. Wir haben uns fast in den Arsch gebissen, dass wir nicht einfach die drei Tage dort verbracht haben, aber nun war es nicht mehr zu ändern. So holten wir uns am nächsten Tag unseren Camper bei einer freundlichen Hannoveranerin ab und fuhren in die Blue Mountains. Auf einem Campingplatz in Katoomba richteten wir uns häuslich ein und wanderten durch atemberaubende Landschaften. Es ist einfach göttlich hier ! Mit einem Auto durch Australien zu düsen und zu halten wo es grade schön ist, ist das größte Gefühl von Freiheit dass man sich heutzutage erlauben kann... Es ist einfach unbeschreiblich. Morgen machen wir uns auf ins Hunter Valley und genießen das Leben !



Passt auf euch auf !



Julia

ER IST DA !!!!!!

Sonntag, 24.11.2013

Endlich ! Nach zwei unerträglichen Monaten kam mein wundervoller Freund vorbei um mit mir Australien unsicher zu machen. Nach einer Woche in Sydney (Bericht folgt später) sind wir mittlerweile in Wollongong gelandet. Gruuuselig, nicht empfehlenswert, unsympatisch. Aber wie heißt es doch so schön ? Entscheidend ist nicht wohin man reist, sondern mit wem. Oder irgendwie so ähnlich. Da kann man die Tatsache, dass Wollongong irgendwie das australische Äquivalent zu Frankfurt ist, gerne mal ignorieren. Die nächsten Tage werden wir uns ein Auto mieten und Richtung Tasmanien düsen. Ich kanns kaum erwarten !!

 

Passt auf euch auf,

 

Julia

 

Sydney Tower Harbour Bridge/Opera House Featherdale Kängurus Kängurus Kängurus :) Bondi Beach

Dorrigo

Sonntag, 24.11.2013
Keine Frage: Das Leben stellt einem manchmal Prüfungen. Wenn diese sich als eine Aufgabe darstellen, deren Meisterung es lediglich etwas Disziplin und Durchhaltevermögen bedarf, ist die Sache noch recht einfach. Scheiterst du, ist es deine eigene Schuld. Aber was wenn deine eigenen Wertvorstellungen das Hindernis sind ? Kannst du nur verlieren wenn du die Wahl hast zwischen Misserfolg und schlechtem Gewissen ? Zwar ist diese Einleitung etwas philosophisch überzogen, dennoch betrifft es mich momentan nicht unwesentlich. Durch ein unerwartetes House Sitting Angebot einer Farmerin aus Dorrigo residieren Julia und ich derzeit ganz alleine in einem luxuriösen Landhaus mit Panorama-Bergkulisse und hypermoderner Küche. Einzige Bedingung: Wir müssen die Farm versorgen, mit all den Hühnern, Rindern, Bullen, Hunden und Pferden. Der absolute Landerfahrungs-Höhepunkt bisher- und manchmal eine Zerreißprobe für die Nerven. An manchen Tagen komme ich damit besser klar als an anderen, jedoch bleibt das permanente schlechte Gewissen und das Gefühl, irgendwie meine Prinzipien zu verraten. Dabei könnte die Farm beinah einer McDonalds Werbung entsprungen sein ("weite Wiesen, glückliche Rinder, einfach ein bisschen Salz und Pfeffer drauf..") so bilderbuchartig sieht sie aus. Vor einem wunderschönen Berglandschaft fallen die gigantischen Felder in sanften Hügeln ab, gespickt mit ein paar Felsen und vereinzelten Sträuchern. Wilde Papageien fliegen von Zeit zu Zeit vorbei und das Gelände ist von einem einfachen Holzzaun umgeben. Es leben 10 Rinder auf der Farm, davon zwei Kälber, die bei der Mutter gelassen werden und zusätzlich vier Bullen, die auch nicht grade unglücklich aussehen.  Ich sehe nichts von dem was ich erwartet hatte: Keine aufgedunsenen Euter, keine drei Quadratmeter Ställe, keine Melkmaschinen, kein Fließband. Die Hühner laufen ebenfalls frei herum und fressen den ganzen Tag.

Natürlich bietet sich ein etwas anderes Bild wenn man genauer hinschaut: Es lebt auch ein Hahn auf dem Hof,  wenn also ein Ei ausgebrütet wird aus dem ein männliches Küken schlüpft, wird ihm der Kopf abgeschlagen. Die Bullen werden nach dem Erreichen einer angemessenen Größe verkauft und zu lächerlichen Showsstars missbraucht, die Kühe geschlachtet und was weiß ich nicht alles. Die meiste Zeit muss ich diese Tatsachen verdrängen, sonst wär ich wohl nur noch am Heulen, und abgesehen von einem Besuch bei einer benachbarten Milchfabrik von dem ich Alpträume hatte, klappt das auch ganz gut.

Das zweite Gespenst vor dem ich mich fürchte, ist das Kuhtreiben. Ich stelle es mir ähnlich vor, wie eine Gruppe aufgeregter Kleinkinder zusammenzuhalten: Hat man sie einmal soweit, dass zwei oder drei in dieselbe Richtung laufen, rennen die anderen brav hinterher. Meistens jedoch laufen sie entweder in verschiedene Richtungen , bleiben ohne ersichtlichen Grund stehen, greifen in einem plötzlichen Anfall von Adrenalin ihre Laufnachbarin an oder galoppieren einfach los (selbstverständlich ohne zu wissen wohin).  Julia hat an der Sache irgendwie mehr Spaß als ich, so hat sie sich bereits am ersten Tag die Peitsche unter den Nagel gerissen und eine breitgefächerte Auswahl an Scheuchwörtern zugelegt.
Die Tage verstreichen und mit der Zeit pendelt sich eine Routine ein. Ohne uns abzusprechen haben wir die Aufgaben unter uns aufgeteilt und uns aufeinander eingespielt. Ich bekomme zudem zum ersten Mal die Chance, australisches Fernsehen zu schauen. Es ist grauenhaft. Gefühlte 500 verschiedene Verkaufssendungen für Hometrainer mit abgeschmackten Chuck Norris Kopien, die mit einer zu groß geratene Saftpresse ihr aufgemaltes Sixpack trainieren und blonde Androidenpärchen mit aufgespritzen Lippen und Chipmunkstimme, die Herzrhytmusstörungen beim Anblick ihres Mixers kriegen wechseln sich ab mit australischen Versionen von "der Bachelor", "das Supertalent" und "die Super Nanny". Alle fünf Minuten kommt eine Werbeunterbrechung aus zwei Spots, die einen wahnsinnig macht, genau wie die Tatsache, dass selbst Nachrichtensprecher ab und an irgendein Produkt anpreisend in die Kamera halten. Bulle Nationalpark Hängematte 
Ich halte euch auf dem Laufenden, bis bald ! :)  

Nymboida

Dienstag, 05.11.2013

Die zwei Wochen Fairweather neigen sich dem Ende zu. Während der gesamte
Zeitraum einem Musterbeispiel an Ereignislosigkeit glich, wurde ausgerechnet
der letzte Tag zum Desaster. Es kam zu einem Streit.Die Solaranlage der Cabin
brach zusammen und Heyden gab ausgerechnet meinem Handy die Schuld daran,
welches 1)die gesamten zwei Wochen genau wie jedes andere Gerät normal
funktionierte und 2) am besagten Tag zwar an der Steckdose hing, diese jedoch
ausgeschaltet war und somit keinen Strom bezog. Als er mein Telefon an der
Steckdose sah, machte er sich nicht die Mühe mich zu fragen was los war sondern
fing lieber gleich an loszuschreien. Meine Argumentation hätte ich dabei
genauso gut mit Daphne (der Hausente, die am Tag zuvor mit dem Kopf nach unten
in der Lagune schwamm) führen können- es war einfach hoffnungslos. Er
beschuldigte mich, ihn zu ruinieren und sein Haus anzünden zu wollen, einfach
nur weil ich Lust am Zerstören hatte, und dass ich das nächste Mal (hahahaha)
dafür bezahlen sollte. Es war eine dermaßen lächerliche Situation, dass mir
fast die Worte wegblieben. Und, erwachsen wie er war, sprach er den folgenden
Tag kein Wort, weder mit mir noch mit Julia. Er fuhr uns einfach nur 6 Stunden
früher als ausgemacht nach Nymboida, setzte uns in dem gottverlassenem Ort aus
und gab uns die Anweisung, hier bis sieben Uhr abends zu warten. Dann wendete
er das Auto und brause grußlos davon. Ich brüllte ihm noch
"Arschloch" hinterher, aber Natur gemäß in meiner Muttersprache, so
wie alle Menschen wenn sie wütend werden, also kriegte er das wohl nicht mit.



Da standen wir nun, vollpepackt bis zum Umfallen, mitten in einem Ort
der aus drei Straßen bestand und dessen Höhepunkt eine winzige Kapelle
darstellt, die wohl auch gleichzeitig ein Café und einen Craftshop ist.Aber
Fortuna sei Dank sind wir an einem Sonntag gestrandet, der einzige Tag der
Woche an dem das Kirchencafé geöffnet hat. Wir packten also unser Zeug und
beschlossen, erstmal einen Zwischenstopp einzulegen und die Lage zu besprechen.
Praktischerweise gibt es in diesem Kaff nämlich auch keinen Handyempfang (und
überraschenderweise auch kein freies City Wlan- unverschämt) und so blieb uns
keine Möglichkeit, unserem neuen Host von Heydens überraschendem
Stimmungsumschwung zu berichten. So stolperten wir also durch die hölzerne
Eingangstür und ein kleiner Türvogel verursachte einen Heidenlärm, sodass wir
nicht eine Sekunde unbemerkt blieben.Nicht dass wir das in unserer
Pilgeraufmachung länger als einen Augenaufschlag geschafft hätten. So tönte uns
also das vertraut australisch-freundliche "Oh hello darlings, how are you
?" entgegen, gefolgt von einem reinen Wasserfall an Aufforderungen, die
Sachen abzulegen, ein Glas Wasser zu nehmen und in den Garten zu gehen,
begleitet von weiteren Befindenserkundigungen und Fragen nach Herkunft, Ziel,
Alter, Name und Länge des Australienaufenthaltes, gewürzt mit einem Schwall an
Wetterkommentaren. Wir gingen fast in die Knie vor Dankbarkeit über soviel
Herzlichkeit, den Schattenplatz und die Möglichkeit, uns unseres Gepäcks zu
entledigen.Ich war so erleichtert, dass ich die freundliche ältere Lady, zu der
der Wasserfall gehörte, am liebsten umarmt hätte. Nach all dem Ärger war eine
Ersatzomi genau das Richtige und ihr Apfelkuchen war einfach himmlisch. Am Ende
musste ich mit ihr tatsächlich um das Trinkgeld verhandeln, denn sie wollte
partout nichts annehmen. Die Gäste in dem Café waren mehr als skurril. Sie
setzten sich aus einer bunten Truppe zusammen, bestehend aus einem sehr alten
Feuerwehrmann, zwei Jungs in unserem Alter, einer etwas neben sich stehenden
Kanadierin mit einem kaputten Strohhut und mehrern fröhlich vor sich hin
schnatternden Menschen mitteren Alters. Wir saßen in den uralten Ledersofas,
unterhielten uns mit den Leuten und nahmen all die neuen Eindrücke in uns auf:
Die Flaggen sämtlicher Nationen im Garten, die Jungs die den perfekten
Peitschenknall übten, die Barbie, die über unseren Köpfen traurig in einem
runden Vogelkäfig saß, der Kellner der uns permanent verarschte und die stolz
zur Schau gestellten Preisscherpen einer Hündin mit dem Namen "Rose of Nymboida".
Als wir den Leuten den Namen "Laena" nannten, wusste sofort jeder wer
gemeint war und eine nette alte Dame bot uns an, uns hinzufahren. Wir
verabschiedeten uns also, hüpften in ihren Camper und fuhren großartige 800
Meter einen kleinen Hügel hoch. Dort stand unsere Unterkunft, ein wahnsinnig
schönes, selbstgebautes Haus mit einer perfekten Sicht auf den Sonnenuntergang
über den Bergen. Heyden, so erfuhren wir später, war ein guter Bekannter von
Leana und wusste daher genau wo sie wohnt. Hätten wir an diesem Tag also nicht
unglaubliches Glück gehabt, hätten wir sieben Stunden am Straßenrand gestanden
und das nur ein paar Gehminuten von unserem Ziel entfernt. Dieser Typ ist nicht
zu fassen. Das Haus jedenfalls übertraf alles bisher Dagewesene. Es war in meinen
Augen ein Palast, mit Baumstämmen als Säulen und Lehmelementen in den Wänden
glich es meiner kindlichen Vorstellung von einer Parallelwelt, die man in
Inneren einer alten Eiche entdeckt. Alles alles ist aus Holz, der
Wohnzimmertisch einfach nur ein Stück Baum. Die Wände sind verziert mit
Aboriginal Art und Mosaikkunstwerken aus Glas und es gibt einen uralten,
eisernen Kaminofen, bei dessen Anblick mir schwindelig wurde. An diesem Tag war
es unfassbar heiß. Leana, eine politische Aktivistin, schrieb grade einen Brief
an die Regierung als wir kamen. Sie ist ein wundervoller und inspirierender
Mensch und ich fühlte mich von Beginn an in jeder Hinsicht wohl. Wir schliefen
zwei Nächte unter hotelähnlichen Bedingungen, mit Internet und fließend Wasser.
Auf unseren Spaziergängen durch das Umland, teilweise von den Jungs aus dem
Café begleitet, trafen wir auf Dutzende von Kängurus.



Am ersten Arbeitstag putzten wir das Haus. Es ist immer noch eigenartig
wenn deine Arbeitseinweisung die Aufzählung von giftigen Spinnenarten
(begleitet von Illustrationen) in der Umgebung 
einschließt, aber langsam wird das zur Gewohnheit. Die Viecher sind
einfach überall, in allen Größen, bisstechnisch ist von "tut fast gar
nicht weh" bis "tödlich" 
alles vertreten. Ungiftige Tiere werden von den Australiern gar nicht
erwähnt, was einige unangenehme Überraschungen zu Folge hatte. Zwar kam ich mir
ein bisschen dumm vor, als ich Dave (Laenas Mann) bitten musste, die
handtellergroße Spinne mit vier Beinen zu entfernen, die meinen Weg kreuzte,aber
bei Spinnen, die man an die Leine legen könnte um mit ihnen Gasse zu gehen hört
meine Toleranz auf. Wir putzten alle Fenster von außen und innen, staubten jede
erdenkliche Oberfläche ab, wischten den Boden und putzten Laenas
Penisskulpturen. Wie sie uns später erklärte, stammten diese von einem
Kunstprojekt eines Freundes, der für die Uni eine Stadt aus Penissen gebaut
hatte.



Beim Abendessen bekamen Julia und ich unsere Spitznamen zugeteilt und
ich war ganz aus dem Häuschen, als ich tatsächlich den Namen "Bluey"
verpasst bekam, aufgrund meines Rotschopfes (der allerdings schon etwas
ausgebleicht ist). Nur für den Fall nochmal die Erläuterung: "Bluey"
ist das australisch-aboriginal Slangwort für "Redhead".



Da Leana ein Bed and Breakfast betreibt und am Wochenende Gäste bekommt,
können wir leider leider nur bis Freitag bleiben und haben auch bis jetzt noch
keinen Nachfolger gefunden, denn aufgrung der Dürreperiode können viele Farmen
grade keine Woofer aufnehmen. Wir werden sehen was sich ergibt, für den Notfall
gäbe es da in Nymboida noch eine sehr kuschelig aussehende Bushaltestelle...
Ich halte euch auf dem Laufenden !



Julia

Fairweather

Sonntag, 03.11.2013
Man lernt, gutes Essen zu schätzen wenn man auf Reisen geht. Ganz besonders dann, wenn es billig ist und man selber so gut wie nichts dafür tun muss. Seit ich in Australien bin, kreist ein Großteil meiner Gedanken ums Essen. So ist es auch kein Wunder, dass mir etwas mulmig zumute ist als wir auf die "Fairweather Farm" fahren, die uns einen weiteren Zweiwochenjob versprochen hat. Man weiß nie was die Australier unter "gutem Essen" verstehen, insbesondere auf dem Land. Auch der Gedanke, dass es ganz theoretisch auch mal ohne totes Tier geht ist bei den meisten noch nicht ganz angekommen, da nützt es auch nichts auf eine organic farm zu fahren. Und tatsächlich werden meine Vermutungen bestätigt, als wir nach einer zweieinhalb stündigen Fahrt mitten in die Berge auf der völlig isolierten Farm im absoluten Nichts ankommen. Das gesamte Areal (und es ist riesig) ist mit Kuhschädeln und Knochen diverser Tiere geschmückt. Cool, ich werde auf einem Friedhof arbeiten. Ansonsten fühle ich mich hier aber rundum wohl. Fairweather hat die Bezeichnung "einsam" redlich verdient. Im Umkreis von 80km findet sich außer Wald und ähm .. Wald nichts außer Wald. Handynetz, Internet, stetiger Strom- und Wasserzugriff oder gar ein Briefkasten ?! Fehlanzeige. Im Falle eines akuten Notfalls muss ein Hubschrauber kommen und die Autos sehen aus, als könnte man damit den Himalaya überwinden. Und als hätte man das auch schon. Es erfüllt tatsächlich alle Klischees einer typischen australischen Farm. Es gibt einen Wasserturm, verrostete Pflugmaschinen, einen klapprigen Traktor und wilde Kängurus (die aber von den beiden Klischeehunden möglichst auf Abstand gehalten werden). Auch hier werden die Räumlichkeiten von Riesenspinnen bevölkert und der Geruch von Lagerfeuer, begleitet mich seit einer Woche stetig. Er lässt mich an zu Hause denken, an Winter, an gemütliche Abende mit Freunden, Mittelaltermärkte, Laub in den Haaren.. In Wahrheit zeugen sie aber von der andauernden und flächendeckenden Zerstörung durch ungezügelte wilde Buschbrände, überall in New South Wales.

Unsere Cabin ist schön und .. zivilisiert. Sie ist ganz aus dunklem Holz und mit großen Glasfenstern versehen. 11 Betten gibt es dort insgesamt, Julia und ich haben uns gleich zu Beginn das Pärchenzimmer mit Doppelbett geschnappt und haben so minimal mehr Privatsphäre als die Wwoofer die nach uns kamen. Es gibt Toiletten mit Spülung und zwei ziemlich angenehme Duschen, wobei auch hier das Wasser andauernd ausfällt und man ziemlich blöd dasteht wenn das ausgerechnet beim Haareschamponieren passiert. Alles schon vorgekommen. Auch, dass die sinflutähnlichen Regenschauer, die sich hier mit der brütenden Hitze abwechseln, gerne mal zu einer Extradusche genutzt werden: sobald die ersten Wolken aufziehen, schnappen sich die drei Engländer ihr Shampoo und Badehosen und hüpfen im einsetzenden Schauer herum wie kleine Kinder an verregneten Sonntagen oder unter dem Rasensprenger der Nachbarn. Und damit sind sie nicht allein. Auch Hayden, der Farmer, freut sich tierisch über den Regen, bedeutet dieser für ihn nicht weniger als Existenzsicherung. Barfuß und mit weit ausgebreiteten Armen rennt er dann über sein Feld und ruft irgendwelche lebensfrohen Dinge, die aber meistens über dem Rauschen der gewaltigen Wassermassen nicht zu verstehen sind. Abgesehen von der Liebe zur Natur hat er aber mit Louise rein gar nichts gemein. Während ich sie in meiner ganzen Zeit in Kalang nicht einmal fluchen hörte, scheint es für Heyden ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, einen Satz ohne "bloody", "fucking", "damn" oder "bastard" zu bilden. Seine Frau Eleanor ist Schottin und ihr Akzent ist beinah schwerer zu verstehen als das hingerotzte Gebrabbel der Australier. Sie ist nett und schüchtern, entschuldigt sich laufend und bewegt sich beinah nur rennend vorwärts, schleppt Dinge hin und her und arbeitet wie eine Verrückte.

Den langen, lauen Abenden, die meistens mit reichlich Wein begossen werden,ist es zu verdanken, dass mir weder das Internet, noch die fünfte "Breaking Bad" Staffel wirklich fehlen. Die Leidenschaft der Engländer für Kartenspiele jeglicher Art und die zahllosen Instrumente die uns zu Verfügung stehen (die Palette reicht von Gitarre über Digeridoo und Bongotrommeln bis hin zum Schüttel-Ei) tun ihr Übriges: Wir reihen einen lustigen Abend an den nächsten. Es sind die üblichen Eskapaden, nur Tom (einer der Engländer) schlägt jedes Mal über die Stränge. Er scheint sowas wie ein Schamgefühl nicht zu besitzen, jedenfalls hält es ihn nicht davon ab, trotz extremer Trunkenheit am Vorabend, den nächsten Tag erneut mit seinem widerlichen, englischen Pissbier zu beginnen. Es ist in jedem Falle ganz nett, sich mit ihm zu unterhalten. "You're horrible" klärte er mich zum Beispiel neulich auf. "You.. don't like annnyybody. You donnn't even like Julia. You aare a witch". Damit war er mir aber immer noch angenehmer als der Franzose, der, ebenfalls nach reichlich Billigweingenuss, allen Ernstes meinte, meinen persönlichen Freiraum einfach mal ignorieren zu können, auf Zentimeter an mich herranrutschte und mir "Tu as jolie yeux" ins Ohr hauchte. Ich  wurde wütend und schlug ihn ins Gesicht (offenbar deutete er das als Ermunterung), also drohte ich ihm mit meinem 16 000 Kilometer entfernten, sehr gefährlichen Freund aber es hatte nicht annähernd die Wirkung, die ich mir erhofft hatte. Ein paar Tage später entschuldigte er sich bei mir und verschwand mit seiner Freundin Richtung Byron Bay.  Matthew und Alex hingegen verhalten sich recht normal, wenn man mal davon absieht, dass Matthew an Halloween Alex' Augenbrauen abrasiert hat, um sie dann mit einem wasserfesten Filzstift wieder aufzumalen. Er selbst trug dabei eine schwarze Strumpfhose mit Schwein- Kuh und Pferdemotiven und eine Krawatte um den Kopf gebunden. Was soll ich sagen. Sie mögen sich. Alex hingegen hat einen imaginären Freund namens "Keith", der mit uns in der Hütte wohnt und allen möglichen Unsinn anstellt. Dazu schreibt er am Tag geschätze 40 Seiten Tagebuch, fein säuberlich auf einen englischen Collegeblock mit einem Füller, und macht häufiger Buschwanderungen, mit einem Turnbeutel auf dem Rücken. Gerade hat er sein "natural science" Studium abgeschlossen,  sein strumpfhosentragender Kumpel "intermedial communication" und der Alkoholiker einfach "business". Sie erfüllen also so ziemlich das Klischee. An einigen Abenden kommen Freunde von Eleanor und Heyden vorbei, das wohl abgefahrendste Pärchen das ich seit meiner Ankunft hier kennenlernen durfte (abgesehen von Simon, der zählt wie 4 verrückte Pärchen). Sie ist Belgierin, ihren Namen habe ich vergessen, hat pinke Haare, eine Stimme wie ein Reibeisen und einen Rock, den sie trägt seit sie 16 ist. Außerdem hat sie die mit Sicherheit meistgepiercesten Ohren der Welt. Ihr Freund, Namen hab ich ebenfalls vergessen, hat sieben Dingos, spielt perfekt Digeridoo und klettert an den Dachbalken herum wenn er betrunken ist. Tom hats ihm nachgemacht. Hätte er mal lieber gelassen.
Nach der ersten Woche setzen  Julia und ich uns auf die Veranda und machen uns auf die Suche nach weiteren Unterkünften, doch das erweist sich schwieriger als gedacht. Die Hälfte trumpft auf mit "NO VEGETARIANS" und wir stolpern über "Must clearly understand instructions", "proper language and nice dressing requiered" oder "no baseball caps". Das unter Aktivitäten Dinge wie "bushwalking, swimming, fishing and relaxing" einfach bedeutet, dass man absolut gar nichts machen kann haben wir auch schnell begriffen. Einige erwarten allen Ernstes, dass man für sechs Stunden Arbeit am Tag in einem Zelt schlafen und für sich selber kochen soll. "No drugs" heißt dabei nicht etwa "keine Drogen", sondern "kein Alkohol, kein Kaffee und kein Zucker" und diejenigen, die erwarten dass man sich dem "Creators Plan" beugt, werden von uns auch übersprungen. Wenn keine klaren Angaben über den Landbesitz gemacht werden, kann man davon ausgehen dass es sich eher um ein Haus, als um eine Farm handelt. Als wir am Ende doch fündig werden, ist die einzig sinnvolle Beschäftigungsquelle in Fairweather versiegt: Meine Bücher sind ausgelesen und die Kopfhörer beim Arbeiten kaputt gegangen. So bleibt mir nichts als rumzuliegen, mich meinen Gedanken hinzugeben, oder stundenlang durch die Berge zu wandern. Mehr passiert in diesen Wochen nicht.
 
Und endlich endlich.. ein paar Fotos :)  Schweinchen Fairweather Arbeit Buschbrand Blick aus der Cabin Dorrigo Halloween
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